Bevor ein Fertigungsbetrieb in ein neues MES-System investiert, tauchen immer wieder dieselben Fragen auf. Wir haben die häufigsten aus den letzten Beratungsgesprächen zusammengefasst.
Wie lange dauert die Integration in unsere bestehende SPS-Landschaft?
Die Antwort hängt stark von der Anzahl der Steuerungen und deren Protokollen ab. Bei einem typischen Mittelständler mit 15 SPS-Einheiten von Siemens und Beckhoff rechnen wir mit vier bis sechs Wochen für die Basis-Anbindung. Komplexere Umgebungen mit älteren B&R-Steuerungen benötigen oft zwei bis drei Monate, da hier ein zusätzlicher OPC-UA-Gateway erforderlich ist.
Welche Daten muss ich vorab bereitstellen?
Wir benötigen die aktuellen SPS-Projektierungsdateien (STEP 7, TwinCAT, Automation Studio), ein Netzwerk-Layout der Fertigungslinien und eine Liste der relevanten Prozesssignale. Ohne diese Unterlagen lässt sich der Datenabgleich nicht sauber planen. Kunden, die ihre Signalbezeichnungen bereits dokumentiert haben, sparen etwa zwei Wochen Vorlaufzeit.
Kann das System auch ohne Cloud-Anbindung laufen?
Ja. Die Erabp-Plattform lässt sich vollständig on-premise betreiben. Wir liefern die Middleware als Docker-Container, die auf einem eigenen Server im Firmennetz laufen. Die Daten verlassen dann nie das Werksgelände. Einzige Voraussetzung: Der Server muss mindestens 16 GB RAM und vier CPU-Kerne bereitstellen, um die Echtzeitverarbeitung der SPS-Daten zu gewährleisten.
Wie wird die OEE-Berechnung initial kalibriert?
Die erste Kalibrierung erfolgt anhand der letzten drei Monate Produktionsdaten. Wir gleichen die SPS-Zeitstempel mit den manuell erfassten Schichtberichten ab, um die Basiswerte für Verfügbarkeit, Leistung und Qualität zu setzen. Nach etwa vier Wochen Betrieb passen wir die Parameter automatisch nach – das Modell lernt die typischen Rüstzeiten und Geschwindigkeitsschwankungen der Linie.
Was passiert bei einem Ausfall der Middleware?
Die SPS-Steuerungen arbeiten unabhängig weiter – die Produktion läuft auch ohne MES-Anbindung. Die Plattform puffert die Daten für bis zu 72 Stunden in einer lokalen Queue. Sobald die Middleware wieder verfügbar ist, werden die versäumten Datensätze nachgeliefert. Ein Totalausfall der OEE-Erfassung ist also auf maximal drei Tage begrenzt.
Gibt es eine Testphase ohne Vertragsbindung?
Wir bieten einen 30-tägigen Proof-of-Concept an. Dabei schließen wir zwei bis drei SPS-Steuerungen an, richten ein Dashboard mit den wichtigsten OEE-Kennzahlen ein und stellen die Alarmierungsregeln für die ersten Engpasssignale bereit. Nach dem Test entscheiden Sie, ob Sie die Plattform auf die gesamte Fertigung ausrollen möchten. Die Kosten für den PoC werden bei einem späteren Vertragsabschluss vollständig angerechnet.
Diese Fragen zeigen: Die Entscheidung für ein MES-System ist kein reines Software-Thema, sondern betrifft die gesamte Produktionslogistik. Wer die genannten Punkte vorab klärt, vermeidet spätere Überraschungen und kann die Plattform von Anfang an zielgerichtet einsetzen.